Mich nervt die albernen Tabuisierung einer Diskussion über das sankrosankte geistige Eigentum gehörig. Wie in vielen Kommentaren im Internet, dem offenen Brief der Tatort-Autoren, oder der zuletzt geleakten Argumentationshilfe für den SPD-Parteivorstand zu lesen, ist es quasi verboten das Urheberrecht überhaupt auch nur zu Hinterfragen, geschweige denn den Begriff des geistigen Eigentum. Da ist man gleich jemand, der aufklärerische Erfolge der Menschheit in Frage stellt, oder ein rücksichtsloser Kunst- und Kulturzerstörer. Es muss doch erlaubt sein sich darüber zu unterhalten, warum es zu diesem gesellschaftlichen Konstrukt gekommen ist und inwieweit es in die digitale Zeit passt. Aber man hört immer nur von einer Natur gegebenen Kausalität von Einnahmen der Künstler bzw. kultureller Vielfalt und der Existenz eines Urheberrechtes – welches in großen Teilen auf der Kommerzialisierung und Durchsetzung von Rechtsinteressen, durch die Kontrolle materieller Güter beruht. Völlig unabhängig von der Frage ob dies schon immer alternativlos war, war es doch zumindest praktikabel. Musik als Information wurde auf einen Träger gebracht und damit kontrollierbar. Das Musikstück unterlag damit den Regeln knapper Güter. Wie irgendein produziertes Auto. Die Digitialisierung bringt uns nun den Vorteil grenzenloser, kostengünstiger Verbreitung von Information. Ja der ganze Kern des heutigen Internet beruht genau darauf – Information und deren grenzenloser und praktisch unkontrollierbaren Verbreitung. Und genau da liegt auch der Knackpunkt. Wenn nun versucht wird, den Kern des Internet so zu manipulieren, damit sich bisherige Geschäftsmodelle auch dort anwenden lassen, also Grenzen, künstliche Verknappung, beschränkte Rechte, Informationskontrolle, dann ist das kein Kompromiss sondern ein Angriff auf das Wesen des Internet als solches. Das ist was Seemann in dem Spiegelartikel “Lieber frei als gerecht” meint, oder wie ich es verstanden habe. Und er hat absolut Recht.